24. März 2026

Inside Pass: Das Schönwetter-Team und der Teufelskreis

Inside Pass: Das Schönwetter-Team und der Teufelskreis

Das lustlose Saisonende des EHC Biel wirft Fragen auf, auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Anderthalb Wochen sind vergangen seit dem 0:4 in Bern. Normalerweise reicht diese Zeitspanne, um ein schlechtes Spiel einzuordnen, es in den grösseren Kontext einer Saison einzubetten und nach vorne zu schauen.

Normalerweise.

Doch dieser Auftritt lässt mich nicht los. Ich habe viele Gespräche geführt und vergangene Woche den Flip Pass #77 mit Ueli Schwarz aufgenommen – und bin immer noch nicht wirklich schlauer.

Das letzte Spiel einer Saison sollte das intensivste sein. Doch das Play-In-Rückspiel in Bern, in dem es für den EHC Biel um alles ging, war das Gegenteil davon. Das 0:4 gegen den SC Bern besiegelte nicht bloss das Saisonende der Seeländer – es legte schonungslos offen, was mit dieser Mannschaft immer wieder passiert, sobald sie auf Widerstand trifft: Sie kapituliert.

Ein Funktionär des EHCB, dessen Name mir gerade entfallen ist, war derart erbost ab dem Auftritt der Mannschaft, dass er es kurzerhand bevorzugte, noch während des Spiels zum Bahnhof zu marschieren und den Zug zurück nach Biel zu nehmen, anstatt sich dieses Debakel weiterhin anschauen zu müssen.

Man kann es ihm nicht verübeln.

Das 0:4 in Bern war so vieles gleichzeitig: ein sang- und klangloses Saisonende, eine Bankrotterklärung und ein Déjà-vu, das man eigentlich nicht mehr erleben wollte. Die Parallelen zum letzten Saisonspiel vor einem Jahr in Lugano sind unverkennbar.

Es fehlte an allem, was eine Mannschaft in einem K.o.-Spiel braucht: Entschlossenheit, Zweikampfhärte, der unbändige Wille, die Saison um jeden Preis zu verlängern.

Tristan Scherwey hingegen, der in dieser Saison kaum auf Touren kam, brachte all diese Tugenden genau dann aufs Eis, als es darauf ankam. Ueli Schwarz sagte dazu: «Bern hatte einen Spieler, der alleine mehr Power, Wille, Energie und Ehrgeiz entwickelte, als alle Bieler zusammen.»

In Biel wird nichts schöngeredet

Schwarz redete im Flip Pass Klartext, wie man es von einem Verwaltungsrat selten hört. Das verdient Anerkennung. Denn die Alternative wäre das gewesen, was SCB-Trainer Heinz Ehlers nach dem Play-In-Hinspiel gegen Rapperswil-Jona praktizierte: Schönreden. Ehlers sagte nach der enttäuschenden 1:2-Heimniederlage gegen die Lakers allen Ernstes, er könne der Mannschaft nichts vorwerfen. Bern verlor das Rückspiel dann 0:4 – die Quittung für die falsche Milde?

Ueli Schwarz verkauft die Fans nicht für dumm. Er beschönigt nichts, er redet nicht um den heissen Brei herum. Gut so. Es wäre unerträglich, nach einem solchen Auftritt Durchhalteparolen zu hören.

Analysieren – und dann?

Der VR-Delegierte sprach auch davon, dass man das in schwierigen Situationen fehlende Leadership nun analysieren müsse, um daraus Schlüsse zu ziehen. Das klingt vernünftig.

Nur: Wie soll das konkret gehen? Was genau soll die Analyse zu Tage fördern, das man nicht schon weiss? Sportchef Martin Steinegger hat bereits zu einem früheren Zeitpunkt in dieser Saison sinngemäss formuliert, dass diese Equipe ein Schönwetter-Team ist. Kaum stösst diese Mannschaft auf ernsthaften Widerstand, bricht sie ein. Die vermeintlichen Leader verstecken sich, die Körpersprache auf der Bank stirbt, das Kollektiv löst sich auf.

Ueli Schwarz kontert im Podcast mit dem Verweis auf das Langnau-Spiel, in dem der EHCB gewinnen musste und es auch tat. Ein berechtigter Einwand. Allerdings: Die SCL Tigers spielten den Bielern in die Karten, sie waren an jenem Abend schlicht nicht gut genug. Das ist etwas fundamental anderes, als gegen einen SC Bern zu bestehen, der mit dem Rücken zur Wand steht und plötzlich wie entfesselt aufspielt.

Sobald der Gegner seinerseits alles investiert, wird dieses Bieler Team zum Sparringpartner.

Kann Zwerger die Kultur verändern?

Ueli Schwarz erhofft sich vom Zuzug Dominic Zwergers diesbezüglich viel. Die Hoffnung ist nachvollziehbar: Zwerger bringt Intensität, Physis und eine gewisse Kompromisslosigkeit mit. Doch kann ein einzelner Spieler eine Mentalität verändern, die sich offensichtlich über Jahre in den Strukturen dieser Mannschaft festgesetzt hat? Ich bin skeptisch.

Die Kultur eines Teams wird nicht durch einen Transfer korrigiert, sondern durch tägliche Arbeit, durch Ansprüche, die eingefordert werden, und durch Konsequenzen, wenn sie nicht erfüllt werden.

Man muss fairerweise anfügen: Der EHC Biel stellt das jüngste Team der Liga. Vielen Spielern fehlt schlicht die Erfahrung, um in solchen Drucksituationen zu bestehen. Ihnen kann man die Kapitulation weniger ankreiden. Die Kritik richtet sich an jene, die dieses Team führen sollten. Denn Leader hat dieses Team. Spieler, die wissen, wie Playoffs riechen, die es schon bewiesen haben. Nur verschwinden sie viel zu oft genau dann, wenn sie am meisten gebraucht werden.

Was kann Dubé bewirken?

Vieles wird deshalb an Christian Dubé hängen. Daran, ob er die Spieler aus ihrer Komfortzone vertreiben kann, ob er jene Mentalität implementiert, die den Unterschied zwischen einem Sieg mit dem Rücken zur Wand und einer kampflosen Kapitulation ausmacht.

Meine Befürchtung ist jedoch eine andere: Dass die nächste entscheidende Situation kommt, das nächste Do-or-die-Spiel, und sich das gleiche Muster wiederholt.

Nicht, weil die Spieler es nicht besser können, sondern weil sie sich davor fürchten, wieder zu versagen – und genau deshalb wieder versagen. Es ist ein Teufelskreis, der schwerer zu durchbrechen ist als jede taktische Baustelle.

Die Frage ist, ob die Leader dieses Teams bereit sind, sich dieser unbequemen Wahrheit zu stellen. Oder ob sie sich beim nächsten Mal, wenn es zählt, erneut in der Anonymität des Kollektivs verstecken – anstatt es anzuführen.